Die Tragfähigsten kommen aus Dresden

Auf dem PrüfstandAuf dem Prüfstand: Platte aus Dresden

In Kaiserslautern trafen sich in der vergangenen Woche rund 180 Professoren und NachwuchswissenschaftlerInnen zum Doktorandensymposium 2010 des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton. Dabei ging es – natürlich – um den Austausch wissenschaftlicher Ergebnisse, aber es gab auch zwei Wettbewerbe. Zum einen war ein Preis „Wissenschaftsreportage“ ausgeschrieben – weil „kreative und innovative Leistungen der Bauforschung in der Öffentlichkeit oftmals keine angemessene Beachtung finden“. Darauf werden wir im BauBlog noch zurückkommen, aber soviel sei schon verraten: Für einen ersten Platz reichte es leider nicht, aber zwei der fünf Dresdner Delegierten wurden mit einem Sonderpreis ausgezeichnet: Dipl.-Ing. Gregor Schacht und Dipl.-Ing. Alexander Lindorf. Wie gesagt: Ihre Reportagen werden hier folgen!

Siegreich war das Dresdner Team aber im zweiten Wettbewerb. Wie am Freitag schon quasi live getwittert, schnitten die Dresdner beim UHPC-Wettbewerb am besten ab. UHPC steht für Ultra High Performance Concrete, zu deutsch Ultrahochfester Beton. Beim Wettbewerb ging es darum, eine punktgelagerte Platte aus Hochleistungsbeton anzufertigen, die bei geringem Gewicht eine möglichst hohe Tragfähigkeit erzielt. 30 Kilo sollte die Platte selbst höchstens wiegen, die Abmessungen waren natürlich auch festgelegt: genau 1400 mm x 800 mm. Drei unterschiedliche Platten hatte das Dresdner Team hergestellt – wobei eine leicht über 30 Kilogramm wog und von vornherein mit der Bemerkung eingeschickt wurde: „Wir wissen, dass sie zu schwer ist – aber bitte prüft sie dennoch außerhalb der Wertung!“

Die Nachwuchsforscher vom Institut für Massivbau und dem Institut für Baustoffe hatten freilich mit allen drei Platten die Nase vorn. Frank Schladitz vom Institut für Massivbau: „Das war eine echte Teamarbeit. Neben mir und Dr. Marko Butler vom Institut für Baustoffe als Betreuer haben vor allem die beiden Studenten Mario Liebelt und Marc Koschemann geholfen, das Projekt zu realisieren!“ Außerdem mit dabei beim Betonieren waren Rainer Belger, Daniel Ehlig, Dr. Frank Jesse, Enrico Lorenz, Katrin Schwiteilo und Dr. Kerstin Speck. 29,93 Kilonewton pro Quadratmeter betrug die Traglast von Dresden II – mehr als doppelt soviel wie die des Zweitplatzierten vom Team Braunschweig (14,2 kN/qm) und mehr als das Dreifache des Drittplatzierten (Firma durcrete, 8,83 kN/qm). Alle drei Platten wogen annähernd gleich viel: ca 29,5 kg. (Die anderen beiden Platten aus Dresden lagen mit 27,38 kN/qm und 25,14 kN/qm ebenfalls weit über den Werten des Feldes – aber gewertet wurden die Mannschaftsleistungen.)

Woran es lag, dass die Dresdner Bauingenieure so gut abschnitten? „Wir haben hier das Know-how sowohl im Bereich UHPC als auch Textilbeton. Die Siegerplatte war hergestellt aus einem UHPC mit einer dreilagigen Carbonbewehrung: Die Mischung macht’s!“

2. Platz bei Congress Awards

UVS
11. November 2010
Miachael KaliskeProf. Michael Kaliske

Den 2. Platz der „Dresden Congress Awards“ in der Kategorie „Kongresse und Tagungen bis 200 Teilnehmer“ erhielt gestern während der Professorenveranstaltung „Profession trifft Vision“ Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Kaliske für die „6th European Conference on Constitutive Models for Rubber – ECCMR 2009“.
Der Oscar der Dresdner Kongressbranche zeichnet diejenigen aus, die bereits Tagungen und Kongresse in Dresden veranstaltet haben. Gleichzeitig soll er Anreiz und Motivation sein, auch zukünftig Kongresse in Dresden durchzuführen. Die ausgezeichnete Veranstaltung fand im September 2009 statt und war eine Kooperation der vier Professoren Gert Heinrich (IPF Dresden), Michael Kaliske, (Institut für Statik und Dynamik der Tragwerke), Alexander Lion (UniBw München und Stefanie Reese (TU Braunschweig).

Ausgezeichnetes am Tag der Fakultät

Ehrungen am Tag der FakultätTag der Fakultät: Ehrensenator Prof. Dr. Achim Mehlhorn hielt eine viel beachtete Festrede (oben links). Anschließend wurden Preise für gute Leistungen vergeben

Dass die Dresdner Bauingenieure ausgezeichnete Arbeit leisten, ist kein Geheimnis. Dass einige von ihnen dafür auch ausgezeichnet werden, ebenfalls nicht. Nur wer welchen Preis bekommt – das bleibt wie beim Oscar manchmal doch bis zuletzt ein wohl gehütetes Geheimnis. Aktuell verliehen wurden drei Preise – allen anderen, die ihren Preis oder die Ehrung bereits im Laufe des Jahres erhalten hatten, gratulierte der Dekan Prof. Rainer Schach in seiner Rede mit dem Jahresrückblick.
Den mit 3.000 Euro dotierten Gottfried-Brendel-Preis verleiht die Bilfinger Berger AG jedes Jahr für den besten Großen Beleg. Dr. Horst Arnoldt überreichte Marcus Krug und Steffen Müller für ihre „Netzwerkbogenbrücke aus hochfestem Beton“ den ersten Preis. Außerdem gab es zwei Drittplatzierte: David Jedro („Eisschnelllaufstadium“) und Matthias Quast („Freitragende Textilbetonschale“).
Dipl.-Ing. Gregor Schacht erhielt den von der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Bautechnik in Sachsen gestifteten Günther-Grüning-Preis, der für hervorragende Große Belege (des 9. Semesters) oder Diplomarbeiten vergeben wird. Ausgezeichnet wurde er für seine Diplomarbeit „Berechnungsmodelle für Betongelenke“. Doppelt vergeben wurde der Preis der Gesellschaft der Förderer des Hubert-Engels-Instituts für hervorragende Studienleistungen auf dem Gebiet des Wasserbaus und der Technischen Hydromechanik. Preisträger sind Dipl.-Ing. Sarah-Christin Mietz für ihre Diplomarbeit „Ermittlung der Strömungsverhältnisse im Wasserkörper einer Talsperre“ und Roberto Tatis Muvdi, M.Eng. (Kolumbien) für seine Diplomarbeit „Possibilities and Limitations in Hydrodynamic Numerical Modeling of Flow Through Emergent Rigid Vegetation“.

Besondere Aufmerksamkeit und viel zustimmendes Kopfnicken erhielt Prof. Dr. Achim Mehlhorn, der Festredner des Tages. Mit seinen Gedanken zum Thema „Diplom – und was nun?“ traf er den Nerv nicht nur der rund 70 Absolventinnen und Absolventen, sondern den der gesamten Zuhörerschar.

[Bilder der Veranstaltung]

Lehrpreis der GFF für Bauingenieure

Preisträger des LehrpreisesInnovative Ideen: Prof. Bernd W. Zastrau, Dr.-Ing. Sabine Damme-Lugenheim und Dr.-Ing. Uwe Reuter

Den Lehrpreis 2009 der Gesellschaft der Freunde und Förderer der TU Dresden (GFF) haben drei Bauingenieure erhalten: Das Team mit Prof. Bernd W. Zastrau, Dr.-Ing. Sabine Damme-Lugenheim und Dr.-Ing. Uwe Reuter hat innovative E-Learning-Angebote für die Aus- und Weiterbildung entwickelt und erhielt dafür 7.000 Euro Preisgeld.

Die Zusammensetzung des Teams mit Vertretern des Instituts für Mechanik und Flächentragwerke, der AG Fernstudium und dem Fakultätsrechenzentrum kommt nicht von ungefähr: Die Arbeitsgruppe entwickelt und verstetigt seit 2008 E-Learning-Angebote, welche in zwei Multimediafonds-Projekten der TU Dresden mündeten: Einerseits wurden Präsenz-Lehrveranstaltungen der Mechanik mit modernster Tablet-PC-Technik aufgezeichnet, so dass im fertigen Film der Vortragende und seine Notizen (früher hätte man gesagt: das Tafelbild) zu sehen sind. Dieses Material kann beispielsweise auch im zweiten Projekt genutzt werden, das Fernstudentinnen und -studenten eine persönliche Lernumgebung schafft. Der interaktive Studententrainer sorgt dafür, dass die Fernstudenten auf verschiedene Lerninhalte zugreifen können und dazu, wenn es didaktisch oder inhaltlich nötig erscheint, zusätzliche Hilfsmittel (z.B. Taschenrechner oder Skizzierhilfsmittel) bereitgestellt bekommen. An der inhaltlichen Verknüpfung der aufgezeichneten Lehrveranstaltungen mit den Lernmodulen der Lernsoftware wird derzeit gearbeitet.

Warum das alles? „Das Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der Studienbedingungen für die Studierenden im Fernstudium, das einmalig in Deutschland ist und etwa 20 Prozent der Studierenden der Fakultät ausmacht“, sagt die Leiterin der AG Fernstudium, Dr.-Ing. Sabine Damme-Lugenheim. Der eigenverantwortliche kontinuierliche Übungsprozesses, der für die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen enorm wichtig ist, wird durch die im hier entwickelten und nun ausgezeichneten Programm unterstützt, eine Rückkopplung des selbst entwickelten zum tatsächlichen Lösungsweg ist dadurch möglich. Das Fernstudium des Bauingenieurwesens wird dadurch noch besser.

Karla Hornbostel gewinnt Preis der Sächsischen Bauindustrie 2010

PreisträgerKarla Hornbostel und Gregor Schacht

Der Preis der Sächsischen Bauindustrie 2010 ist im Rahmen des 18. Sächsischen Bautages in Dresden an Karla Hornbostel für ihre Diplomarbeit zum Thema „Langzeitverhalten von semi-integralen Brückenbauwerken“ verliehen worden. Karla Hornbostel arbeitet an der TU Trondheim (Norwegen) und bereitet ihre Promotion im Rahmen eines internationalen Kooperationsprojektes der TU Dresden mit der TU Trondheim vor. Die Diplomarbeit von Gregor Schacht wurde mit dem Prädikat „Engere Wahl“ gewürdigt, Gregor Schacht ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Massivbau, seine Arbeit trägt den Titel „Berechnungsmodelle für Betongelenke“. Betreut wurden beide Arbeiten von Prof. Dr.-Ing. Steffen Marx, Institut für Massivbau.

Der Preis der sächsischen Bauindustrie für innovative und zukunftsweisende Abschlussarbeiten in den Fachbereichen Bauingenieurwesen und Architektur wurde in diesem Jahr zum 7. Mal verliehen. Verbandspräsident Bernd Busse betonte während der Preisverleihung, dass das Thema Nachhaltigkeit zunehmend auch zu einem Thema der Bauwirtschaft werde. Zum einen im Sinne eines neu zu erschließenden Marktes, aber auch im Sinne neuer Anforderungen an die Technik und die Organisation der Unternehmen. Die ausgezeichneten Arbeiten hätten in besonderem Maße die von der Jury gestellten Kriterien nach Innovationskraft, Ideenreichtum, Praxistauglichkeit und Nachhaltigkeit erfüllt. „Die eingereichten Arbeiten spiegeln das enorme Potenzial junger Bauingenieure und Architekten sowie die hochwertige Ausbildung an den Hochschulen wider. Und sie zeigen, dass der Bau eine Hochtechnologiebranche ist, in der mit kreativen Köpfen und modernster Technik Spitzenleistungen erbracht werden“, sagte Busse.

Brendel-Preis 2010 vergeben

Brendel-PreisträgerAls Sieger kann man ganz entspannt sein: Marcus Krug und Steffen Müller sind die diesjährigen Preisträger des Gottfried-Brendel-Preises

Die Preisträger des Gottfried-Brendel-Preises 2010 stehen fest: Marcus Krug und Steffen Müller bekommen ihn für ihre „Netzwerkbogenbrücke aus hochfestem Beton“. „Um den Abstand zu diesem hervorragenden Entwurf deutlich zu machen“, wie Prof. Manfred Curbach vom Institut für Massivbau bei der Preisverleihung für die Jury sagte, wurde kein zweiter Preis vergeben, aber dafür zwei dritte: David Jedro („Eisschnelllaufstadium“) und Matthias Quast („Freitragende Textilbetonschale“) sind die Preisträger.

Insgesamt hatten eine Studentin und fünf Studenten an dem Wettbewerb teilgenommen, der seit 1997 von der Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden und der Bilfinger Berger AG für besondere Leistungen im Fach Entwurf von Ingenieurbauwerken von Studierenden des 9. Semesters der Studienrichtung Bauingenieurwesen veranstaltet wird. Auch in diesem Jahr war der Preis mit 3.000 Euro dotiert (die Sieger erhalten 2.000 Euro, die beiden Drittplatzierten je 500 Euro). Die Qualität aller eingereichten Arbeiten, so Prof. Curbach für die Jury, sei überdurchschnittlich gut gewesen – die Teilnahme hat sich also auch für diejenigen gelohnt, die keinen Preis mit nach Hause nehmen konnten: Im Lebenslauf macht sich die Nominierung auch ganz gut…

Brendel-PreisPreisträger und Jury

Den sechs Teilnehmern saß eine siebenköpfige Jury gegenüber: Dipl.-Ing. Harald Möller, Leiter Hochschulmarketing und Dr. Horst Arnoldt, Projektleiter Weiterbildung, vertraten die Bilfinger Berger AG, die das Preisgeld stiftet. Prof. Richard Stroetmann, Prof. Manfred Curbach, Prof. Bernhard Weller, Prof. Steffen Marx und (als Vertreter für Prof. Peer Haller) Dipl.-Ing Ralf Menzel saßen für die Fakultät Bauingenieurwesen in der Jury.

Verliehen wird der Preis – wie auch andere im Laufe des Jahres ausgelobten – traditionell am Tag der Fakultät, der in diesem Jahr am 5. November begangen wird.

Hubert-Engels-Medaille für Dipl.-Ing. Eberhard Jüngel

Verleihung Hubert-Engels-MedailleEberhard Jüngel (links) erhielt die Hubert-Engels-Medaille aus den Händen von Prof. Jürgen Stamm

Die Hubert-Engels-Medaille, die zum Andenken an den Pionier des modernen wasserbaulichen Versuchswesens jährlich von der Gesellschaft der Förderer des Hubert-Engels-Labors ausgelobt wird, hat in diesem Jahr Dipl.-Ing. Eberhard Jüngel erhalten. Der Leiter des Betriebs Zwickauer Mulder/Obere Weiße Elster in der Landestalsperrenverwaltung des Freistaats Sachsen erhielt die Medaille „in Anerkennnung seiner hervorragenden fachlichen Leistungen auf dem breiten Arbeitsgebiet des Baus und Betriebs sowie der Überwachung und Unterhaltung von Talsperren und Gewässern“ im Rahmen des Dresdner Wasserbaukolloquiums, das am Mittwoch und Donnerstag im Dresdner Kongresscentrum stattfindet.

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Stamm vom veranstaltenden Institut für Wasserbau und Technische Hydromechanik der TU Dresden würdigte Jüngel als eine Persönlichkeit, die „in besonderer Weise erfolgreich im Bereich des Wasserbaus tätig ist“. Besondere Verdienste habe er sich im Jahr 2002 bei der Steuerung der Talsperren während des August-Hochwassers und bei der nachfolgenden Beseitigung der aufgetretenen Schäden erworben. „Herr Jüngel hat durch seine beruflichen Aktivitäten das Ansehen und die Bedeutung der „Wasser“- Bauingenieurs in der breiten Öffentlichkeit in besonderer und herausragender Weise dargestellt“, sagte Prof. Stamm.

Eberhard Jüngel hat an der Technischen Universität Dresden in den Jahren 1966 bis 1971 konstruktiven Wasserbau studiert. Seine berufliche Laufbahn begann beim Bau des Pumpspeicherwerks Markersbach und wurde mit der Tätigkeit als Bauleiter in der Komplexbauleitung der Talsperre Eibenstock – der größten ihrer Art in Sachsen – fortgesetzt. Ab 1989 war Jüngel aktiv beim Aufbau der Landestalsperrenverwaltung beteiligt; dort ist er seit 1991 als Betriebsleiter tätig.

Ehrenmedaillen für Prof. Stritzke

Eindrücke vom Brückenbausymposium20. Dresdner Brückenbausymposium: Prof. Jürgen Stritzke (oben rechts) erhielt die Ehrenmedaillen der TU Dresden und der Bundesingenieurkammer. Dank auch an Ministerialrat Joachim Naumann, der in wenigen Wochen 65 wird, für sein Engagement (unten Mitte).

Gleich zwei Ehrenmedaillen erhielt heute Univ.-Prof. i. R. Dr.-Ing. Jürgen Stritzke beim 20. Dresdner Brückenbausymposium. Der Rektor der Technische Universität Dresden, Prof. Hermann Kokenge, verlieh dem ehemaligen Inhaber der Professur für Massivbrückenbau und Initiator wie Motor des Brückenbausymposiums die Ehrenmedaille der TU Dresden für seine Verdienste. „Vor allem mit dem Brückenbausymposium haben Sie das Renommee der TU Dresden gesteigert und ihren guten Ruf gemehrt“, sagte Prof. Kokenge. Und Dr.-Ing. Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer, überreichte Prof. Stritzke die Ehrenmedaille der Bundesingenieurkammer für seine „dauerhaften Verdienste um das Ingenieurwesen unseres Landes“. Jürgen Stritzke, sagte Dr. Karstedt, habe sich durch seine Arbeit „als Ingenieur, als Hochschul-Lehrer und als Mensch mit Herz bleibende Verdienste“ um den Berufsstand der Bauingenieure gemacht.

Mit Blick auf die Verleihung des Brückenbaupreises wies der Rektor in seiner Begrüßung darauf hin, dass  die Ausbildung im Bauingenieurwesen an der TU Dresden eine über 150jährige Tradition habe. In der 1851 gegründeten Königlich Sächsischen Polytechnischen Schule wurde in der Sektion B das gesamte Bauingenieurwesen, der Wasser-, Straßen- und Brückenbau, zusammengefasst. „Dies übrigens gegen den vehementen Protest der Dresdner Kunstakademie, zu der bis dahin auch die „Baukunst“ gehörte,“ sagte der Rektor und betonte, dass „wir auf diese lange Tradition stolz sind, und wir fühlen uns ihr zugleich auch verpflichtet, die hohe Qualität unserer Ausbildung nicht nur zu bewahren, sondern den Anforderungen der Zeit zu entsprechen.“  Was die Bauingenieure angeht, führen diese Bestrebungen offensichtlich zum Erfolg: „Nach einem Vergleich der TU9 (der größten technischen Universitäten in Deutschland) studieren bei uns übrigens mit insgesamt 943 immatrikulierten Studierenden die meisten angehenden Bauingenieurinnen und Bauingenieure.“

Das 20. Brückenbausymposium war mit knapp 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie in den Vorjahren bestens besucht – es gilt als der Branchentreff für deutschsprachige Brückenbauer schlechthin und findet mittlerweile auch international Beachtung. Neben den Fachvorträgen – in diesem Jahr waren es insgesamt ein Dutzend, die im umfangreichen Tagungsband zum Nachlesen abgedruckt sind – ist der Meinungsaustausch und das Networking ein wesentlicher Bestandteil des Symposiums, das live im Audimax der TUD stattfindet und parallel in einen anderen Hörsaal übertragen wird, weil der größte Hörsaal der TU nur rund tausend Zuhörern Platz bietet. Auch auf den Gängen im Foyer und in der ersten Etage, auf denen Firmen ihre Produkte präsentierten und Kaffeestationen einluden, gab es ausreichend Gelegenheit für informelle Gespräche – wenn sich die Brückenbauer in Dresden treffen, ist das quasi wie eine große Familienfeier.

Viel Lob für den Initiator Jürgen Stritzke, das der gerne an sein Team weitergab, das die Arbeit hinter den Kulissen (und während des Symposiums auch sichtbar an allen Ecken und Enden) leistet und daher mit zum Erfolg der Veranstaltung beiträgt. Aber es gab noch jemanden, der geehrt wurde: Ministerialrat Joachim Naumann vollendet in wenigen Tagen sein 65. Lebensjahr und wird daher beim nächsten Brückenbausymposium nicht mehr in offizieller Funktion auftreten. In den vergangenen Jahren hatte der Leiter des Referates Brücken-, Tunnel- und sonstige Ingenieurbauwerke in der Abteilung Straßenbau des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung mit seinen Beiträgen aus der Sicht von Deutschlands erstem Brückenbauer immer viel Beachtung gefunden.

Brückenbaupreis 2010

Sieger Dipl.-Ing. Wolfgang EilzerSieger Dipl.-Ing. Wolfgang Eilzer

Die Sieger des Brückenbaupreises stehen fest! Die Preisträger sind die Elbebrücke Mühlberg (Brandenburg/Sachsen) Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ und Stadthafenbrücke Sassnitz (Insel Rügen) in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“. Als maßgeblich verantwortliche Ingenieure wurden Dipl.-Ing. Wolfgang Eilzer sowie Prof. Dr. Mike Schlaich und Dipl.-Ing. Andreas Keil ausgezeichnet. Dipl.-Ing. Wolfgang Eilzer ist beim sogenannten „Auge von Mühlberg“ eine Kombination aus innovativer Konstruktionsidee und schlichter Eleganz gelungen. Die 700 m lange Elbebrücke erfüllt auch ökologische Vorgaben optimal. Prof. Mike Schlaich und Dipl.-Ing. Andreas Keil haben in ihrem Bauwerk Form und Funktion beispielhaft miteinander verbunden. Die kühn geschwungene, extrem schlanke Brücke verbindet die Stadt Sassnitz über 22 m Höhenunterschied hinweg mit dem Stadthafen.

Mit den Preisträgern erlebten rund 1.300 Gäste die feierliche Verleihung des Deutschen Brückenbaupreises 2010 am Vorabend des Brückenbausymposiums im Audimax der TU Dresden. Der Preis, den die Bundesingenieurkammer (BIngK) und der Verband Beratender Ingenieure VBI 2006 erstmals verliehen, wurde in den Kategorien „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ sowie „Fußgänger- und Radwegbrücken“ ausgelobt. Neben dem Bauwerk wurden jeweils die beteiligten Ingenieure mit der Preisskulptur ausgezeichnet, deren schöpferische Leistung maßgeblich zum Entstehen des Bauwerks beigetragen haben.

Prof. Dr. Mike Schlaich und Dipl.-Ing. Andreas KeilProf. Dr. Mike Schlaich und Dipl.-Ing. Andreas Keil

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) unterstützt und fördert den Deutschen Brückenbaupreis als Schirmherr im Rahmen der Initiative Baukultur. Hauptsponsor ist die Deutsche Bahn AG. Laudatoren waren die Präsidenten der BIngK und des VBI, Dr.-Ing. Jens Karstedt und Dr.-Ing. Volker Cornelius. Der Dresdner Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVBS, betonte in seiner Ansprache den Zusammenhang von Baukultur und innovativen Ingenieurleistungen. Mit dem Brückenbaupreis will die Bundesregierung auf die Bedeutung von Brücken und ihren Erbauern hinweisen. Die beste Brücke für Mücke ist freilich noch nicht gebaut  – es ist die Waldschlösschenbrücke.

Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, lobte den Beitrag des Brückenbaupreises zur Förderung der Baukultur in Deutschland. 26.800 Brücken unterhält die Bahn in Deutschland – mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren: Viel Stoff für neue Vorhaben! „Wir hoffen, dass der Preis Ansporn und Motivation für Planer und Ausführende, aber auch für die Bauherren und Finanzierungsgeber künftiger Brückenbauprojekte ist, durch innovative Ideen ein Optimum aus Wirtschaftlichkeit, Gestaltung und Funktionalität zu finden.“ sagte Dr. Grube – aber für viele war seine wichtigste Botschaft: Auch in zwei Jahren wird die Bahn Hauptsponsor dieser Veranstaltung sein.

Zum Deutschen Brückenbaupreis 2010 waren 27 Bewerbungen eingegangen. Daraus hat die Jury je Kategorie drei Bauwerke nominiert und je ein Siegerbauwerk gekürt. Neben den Preisträgern Elbebrücke Mühlberg und Stadthafenbrücke Sassnitz nominierte die Jury folgende Bauwerke zum Deutschen Brückenbaupreis 2010: In der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ die Muldebrücke bei Wurzen (Sachsen) und die Rügenbrücke (Strelasundquerung); in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“ die Altmühlbrücke Eichstätt (Bayern) und die Havenbrücke Bremerhaven.

Peer Haller erhielt Innovationspreis für Klima und Umwelt

Prof. Peer HallerProf. Peer Haller bei der Preisverleihung

Peer Haller, Inhaber der Professur für Ingenieurholzbau und baukonstruktives Entwerfen der TU Dresden, wurde am 11. Februar 2010 in Berlin mit dem mit 25.000 Euro dotierte Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) in der Kategorie „Umweltfreundliche Technologien“ ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für ein von ihm entwickeltes Fertigungsverfahren für faser- und textilbewehrte Formholzprofile.

Der Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) wurde zum ersten Mal verliehen; er geht an deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen für Innovationen, die Wirtschaftlichkeit mit Klima- und Umweltschutz vorbildlich vereinen. Er wird vom Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) verliehen.

Zur Jury unter dem Vorsitz von Klaus Töpfer (Stellvertretender Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam, Bundesumweltminister a.D. sowie ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms) gehören weitere Persönlichkeiten aus den Bereichen Forschung, Medien, Wirtschaft und Umwelt.

FilmProf. Peer Haller erklärt in einem kurzen Film wie das Verfahren funktioniert

Holz als schaumstoffartiges Material, dass sich zu Rohren formen lässt und dabei 80 Prozent Material gegenüber herkömmlichen Fertigungsverfahren einspart: Das ist mit dem neuen Formholz-Verfahren möglich, das vom Institut für Stahl- und Holzbau der Technischen Universität Dresden entwickelt wurde.

Dabei werden massive Platten aus verdichtetem Holz unter dem Einfluss von Wärme, Druck und Feuchtigkeit zu Profilen geformt. Bisher wird das Langholz im Sägewerk zu Brettern geschnitten und bekommt per Schneiden, Hobeln und Fräsen das gewünschte Profil. Beim neuen Verfahren werden aus dem Rohholz Bohlen geschnitten, erwärmt, gepresst, zu Platten verleimt und zu Rohren geformt. Durch die Stauchung der Zellstruktur werden die Platten sehr dehnbar und tragfähig – sie brechen nicht so leicht wie herkömmlich gearbeitetes Holz. Zudem können sie nachträglich mit synthetischen Fasern verstärkt werden, was sie noch stabiler und witterungsbeständiger macht. Dadurch gibt es eine Fülle neuer Anwendungsgebiete im Bauwesen und in der Architektur, im Leicht- und Anlagenbau sowie im Transportwesen und im Design.

Hauptentwickler Peer Haller sind vor allem die ökologischen Effekte wichtig: „Als besondere Genugtuung empfinde ich es, den zentralen Herausforderungen unserer Zeit – Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit – mit einer besseren Verwendung des Holzes zu begegnen.“ Denn: Bei Formholzrohren werden aufgrund des deutlich geringeren Verschnitts nur rund 20 Prozent der Menge des Rohholzes gebraucht, das beim herkömmlichen Verfahren notwendig ist. Und noch einen wichtigen Unterschied gibt es: „Formholz stellt geringe Anforderungen an die Waldmaße und unterstützt somit den naturnahen Waldbau.“ Für klassisch gearbeitete Rohre werden Nadelbäume bevorzugt, da Kronen von Laubbäumen bei diesem Verfahren nicht verwendbar sind. Da beim Formholzverfahren auch Laubbäume und sogar Äste und Kronen verwendet werden können, ist sowohl eine Abkehr von Fichtenmonokulturen wie auch eine Aufforstung mit standorttypischen Baumarten und schnellwachsenden wie Pappeln möglich.

[siehe auch Bericht vom Dezember in Dresden forscht]