Peer Haller erhielt Innovationspreis für Klima und Umwelt

Prof. Peer HallerProf. Peer Haller bei der Preisverleihung

Peer Haller, Inhaber der Professur für Ingenieurholzbau und baukonstruktives Entwerfen der TU Dresden, wurde am 11. Februar 2010 in Berlin mit dem mit 25.000 Euro dotierte Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) in der Kategorie „Umweltfreundliche Technologien“ ausgezeichnet. Er erhielt den Preis für ein von ihm entwickeltes Fertigungsverfahren für faser- und textilbewehrte Formholzprofile.

Der Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) wurde zum ersten Mal verliehen; er geht an deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen für Innovationen, die Wirtschaftlichkeit mit Klima- und Umweltschutz vorbildlich vereinen. Er wird vom Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) verliehen.

Zur Jury unter dem Vorsitz von Klaus Töpfer (Stellvertretender Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Gründungsdirektor des Forschungsinstituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam, Bundesumweltminister a.D. sowie ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms) gehören weitere Persönlichkeiten aus den Bereichen Forschung, Medien, Wirtschaft und Umwelt.

FilmProf. Peer Haller erklärt in einem kurzen Film wie das Verfahren funktioniert

Holz als schaumstoffartiges Material, dass sich zu Rohren formen lässt und dabei 80 Prozent Material gegenüber herkömmlichen Fertigungsverfahren einspart: Das ist mit dem neuen Formholz-Verfahren möglich, das vom Institut für Stahl- und Holzbau der Technischen Universität Dresden entwickelt wurde.

Dabei werden massive Platten aus verdichtetem Holz unter dem Einfluss von Wärme, Druck und Feuchtigkeit zu Profilen geformt. Bisher wird das Langholz im Sägewerk zu Brettern geschnitten und bekommt per Schneiden, Hobeln und Fräsen das gewünschte Profil. Beim neuen Verfahren werden aus dem Rohholz Bohlen geschnitten, erwärmt, gepresst, zu Platten verleimt und zu Rohren geformt. Durch die Stauchung der Zellstruktur werden die Platten sehr dehnbar und tragfähig – sie brechen nicht so leicht wie herkömmlich gearbeitetes Holz. Zudem können sie nachträglich mit synthetischen Fasern verstärkt werden, was sie noch stabiler und witterungsbeständiger macht. Dadurch gibt es eine Fülle neuer Anwendungsgebiete im Bauwesen und in der Architektur, im Leicht- und Anlagenbau sowie im Transportwesen und im Design.

Hauptentwickler Peer Haller sind vor allem die ökologischen Effekte wichtig: „Als besondere Genugtuung empfinde ich es, den zentralen Herausforderungen unserer Zeit – Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit – mit einer besseren Verwendung des Holzes zu begegnen.“ Denn: Bei Formholzrohren werden aufgrund des deutlich geringeren Verschnitts nur rund 20 Prozent der Menge des Rohholzes gebraucht, das beim herkömmlichen Verfahren notwendig ist. Und noch einen wichtigen Unterschied gibt es: „Formholz stellt geringe Anforderungen an die Waldmaße und unterstützt somit den naturnahen Waldbau.“ Für klassisch gearbeitete Rohre werden Nadelbäume bevorzugt, da Kronen von Laubbäumen bei diesem Verfahren nicht verwendbar sind. Da beim Formholzverfahren auch Laubbäume und sogar Äste und Kronen verwendet werden können, ist sowohl eine Abkehr von Fichtenmonokulturen wie auch eine Aufforstung mit standorttypischen Baumarten und schnellwachsenden wie Pappeln möglich.

[siehe auch Bericht vom Dezember in Dresden forscht]

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