Die Verleihung des ZÜBLIN-Stahlbaupreises an Studierende sowie Absolvierende der Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden fand in diesem Jahr zum 14. Mal statt. Mit dem auf 3.000 Euro dotierten Stahlbaupreis werden herausragende Arbeiten gewürdigt, die zur An-wendung und Weiterentwicklung der Stahlbauweise beitragen und im Rahmen des Studiums oder einer Promotion angefertigt wurden.
Der Fachjury gehörten Marco Eckert – technischer Geschäftsführer, Lars Feulner – Leiter der Konstruktion, jeweils von der Züblin Stahlbau GmbH in Hosena, Ralf Braun – Bereichsleiter Süd der Ed. Züblin AG in Stuttgart, sowie Uta Lambrette von der Fakultät Architektur und Landschaft und Prof. Dr. Richard Stroetmann, Direktor des Instituts für Stahl- und Holzbau der TU Dresden, an.

Die eingereichten Entwürfe sowie Studien- und Abschlussarbeiten griffen aktuelle Themen aus der Stahlbaupraxis und -forschung auf und spiegelten die große Bandbreite des Fachgebiets wider. Insgesamt überzeugten die Beiträge durch ein sehr hohes fachliches Niveau. Sie wurden von den Studierenden und Absolvierenden der TU Dresden im Rahmen der Jurysitzung präsentiert (Bild 1). In den anschließenden Diskussionen überzeugten die Nominierten mit ihren Fachkenntnissen zu den eingereichten Arbeiten.
Die feierliche Verleihung des Züblin-Stahlbaupreises 2026 fand traditionell am Abend im Rahmen des Bauballs der TU Dresden statt, der jährlich von den Studierenden des 6. Fachsemesters der Fakultät Bauingenieurwesen ausgerichtet wird. Prof. Stroetmann eröffnete die Preisverleihung und hob in seinen einleitenden Worten das anhaltend große Engagement der Züblin Stahlbau GmbH in Lehre und Forschung hervor. Besonders würdigte er die langjährige Zusammenarbeit sowie die vielfältige Unterstützung des Instituts für Stahl- und Holzbau sowie der Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden, etwa durch Stipendien, die Auslobung des Stahlbaupreises, die Förderung studentischer Projekte sowie Angebote zu Exkursionen und Abschlussarbeiten. Ergänzend dazu bedankte sich Frau Lambrette für die zahlreichen Einreichungen und zeigte sich besonders erfreut über die starke Beteiligung aus den Bereichen Bauingenieurwesen und Architektur. Im Anschluss ergriff Herr Marco Eckert das Wort und stellte das Unternehmen sowie ausgewählte aktuelle Projekte vor. Anhand dieser Beispiele wurde die große Bandbreite der Tätigkeitsfelder von Stahlbauingenieuren ebenso deutlich wie die anspruchsvollen Aufgaben, denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Planung und Umsetzung stellen. Zudem ging Herr Eckert auf die hohe Qualität und thematische Vielfalt der eingereichten Arbeiten ein und betonte die damit verbundene Herausforderung, eine Auswahl und Reihenfolge der Preistragenden festzulegen.
Babette Birkle untersuchte im Rahmen ihrer Projektarbeit den Einfluss von Schweißprozessparametern auf die Ausdehnung der Wärmeeinflusszone. Als Verbindungsformen hat sie Stumpf- und Kehlnähte untersucht, die anhand von Schliffbildern und Härtemessungen digital vermessen und statistisch ausgewertet wurden. Die Ergebnisse von Frau Birkle zeigen, dass die Stahlsorte, das Herstellungsverfahren sowie die Nahtform (einseitig oder beidseitig geschweißt) einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Ausdehnung der Wärmeeinflusszone haben. Dagegen beeinflussen die Streckenenergie E, die Abkühlzeit 𝑡8/5 und die Blechdicke 𝑑 die Ausdehnung der wärmebeeinflussten Zone. Die Projektarbeit von Frau Birkle wurde mit dem 3. Preis ausgezeichnet.
Der Entwurf des Tanzhauses Dresden-Hellerau mit dem Titel „Pirouettenhaus“ von Mariana Kalmykova und Daniel Zaharescu von der Fakultät Architektur und Landschaft wurde mit dem 2. Preis gewürdigt. Die Arbeit des Duos überzeugte durch die Ausgewogenheit von architektonischer Gestaltung, Funktionalität und gestaltgebender Tragstruktur. Das Pirouettenhaus mit polygonalem Grundriss erstreckt sich über vier Geschosse, die je Etage rotierend zueinander angeordnet sind. Als radial orientierte Struktur wurde eine Stahlskelettkonstruktion entworfen. Zusätzlich wurden Holznebenträger zur Verkürzung der Spannweiten für die Decken verwendet. Im Ergebnis entstanden Räume, die mit einer effizienten Tragstruktur rund 27 m stützenfrei überspannt werden.
Der 1. Preis wurde an Anna Reichel für Ihre Diplomarbeit zur Bemessung von Orthoverbundplatten für Straßenbrücken mit Verbunddübelleisten verliehen. Im Fokus Ihrer Untersuchungen stand die Ermüdungssicherheit der Verbunddübelleisten in Klothoidenform bei Beanspruchung in Querrichtung. Hierzu führte Frau Reichel umfangreiche Parameterstudien anhand von Finite-Elemente-Modellen durch. Sie ermittelte die Ermüdungslastspiele für unterschiedliche Leistenkonfigurationen bei Ansatz des Ermüdungslastmodells 4 nach DIN EN 1991-2 über die planmäßige Nutzungsdauer von Straßenbrücken und leitete hieraus Schadensäquivalenzfaktoren ab. Am Beispiel einer Großbrücke, die nach derzeitiger Planung mit Kopfbolzendübel ausgeführt werden soll, führte Frau Reichel die Auslegung der Verbundmittel als Dübelleisten durch, wies die Ermüdungssicherheit nach und verdeutlichte mit einem Wirtschaftlichkeitsvergleich das Potential der Verbunddübelleisten im Brückenbau. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der fachlichen Tiefe, der Praxisrelevanz und der gründlichen Bearbeitung des Themas in der Diplomarbeit. Die ausgezeichneten Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll die thematische Breite und fachliche Tiefe ingenieurwissenschaftlicher Fragestellungen im Stahlbau, die von der Metallurgie des Schweißens, der Tragwerksplanung und -berechnung über die Bewertung bestehender Strukturen bis hin zu interdisziplinären Entwurfs- und Forschungsansätzen reichen. Die Jury und die betreuenden Institute der Technischen Universität Dresden gratulieren den Preisträgerinnen und dem Preisträger (Bild 2) herzlich zu ihren hervorragenden Arbeiten!
Bericht:
Dipl.-Ing. Malte Homeyer, Institut für Stahl- und Holzbau, Technische Universität Dresden
