Sustainability weeks 2018 – zwei intensive Wochen mit Vorlesungen und Workshops renommierter Dozenten

Diese Ankündigung lockte uns, fünf Bauingenieurstudenten des fünften Semesters aus verschiedenen Vertiefungen, in den Semesterferien nach Pamplona an die Universidad de Navarra. Geboten wurde uns die Gelegenheit von Prof. Haller, der eine Erasmuskooperation mit der dortigen Privatuniversität pflegt und im Austausch ein zweiwöchiges Seminar zum Holzbau anbietet.
Wie es sich für die Anreise zu einer Nachhaltigkeitswoche gehört, sind einige von uns mit einem Interrailticket mit der Bahn nach Spanien gefahren. Gemessen an den heutigen Flugpreisen ist das sicherlich weder das billigste noch das schnellste Transportmittel, doch wir genossen die abwechslungsreichere und um Längen umweltfreundliche Art des Reisens. Leider war das im Kontext der Nachhaltigkeitswoche nicht selbstverständlich. Alle anderen Teilnehmer reisten mit dem Flugzeug an.

Workshop im Architekturatelier, Bild: Prof. Peer Haller

Am Montag wurden wir sehr herzlich an der Fakultät für Architektur begrüßt und starteten mit Vorlesungen des US-Amerikanischen Dozenten Byron Stigge. Mit unserem bisherigen Wissen konnten wir den Präsentationen über Energie-, Wasser-, Abfall- und Transportsysteme gut folgen und kritische Fragen stellen. In den darauffolgenden Tagen versuchten wir, in Gruppenarbeiten nachhaltige Infrastrukturkonzepte an einem Fallbeispiel zu entwickeln. Wir hätten uns jedoch mehr fachliche Tiefe und Innovativität gewünscht. Die erste Woche wurde von einer Exkursion mit Beispielen nachhaltiger Architektur im Raum Pamplona abgeschlossen.
Die zweite Woche teilten sich der britische Architekt Peter Fisher und der italienische Professor für Bauphysik der Universität von Turin Marco Perino. In den auf den Vorlesungen aufbauenden Workshops war es jeweils die Aufgabe, energieeffiziente Lüftungs-, Heizungs- und Kühlungskonzepte, wenn möglich sogar ohne konventionelle Wärmequellen und mechanische Ventilation für Objektbeispiele zu entwickeln. Die beiden Dozenten machten deutlich, dass sie Nachhaltigkeit als ganzheitliches Problem betrachten und die Aspekte der Herstellung und des Transports der Baustoffe berücksichtigten.
Im Workshop kam uns die Diversität der Zusammenstellung der Studenten zugute. Nicht nur, dass die Teilnehmer aus etwa einem Dutzend verschiedenen Ländern kamen, auch die Mischung der Studiengänge Architektur, Bau- und Umweltingenieurwesen führte zu einer interdisziplinären Arbeitsweise, die sonst im Studium leider sträflich vernachlässigt wird.

Nach Bedarf regulierbare Wärmetauschanlage, Bild: Markus Taubert

Die diesjährigen Sustainability Weeks endeten mit einer weiteren Exkursion, diesmal in das 200 km entfernte Zaragossa. Dort zeigte man uns sanierte Wohnblocks und ein Passivhaus, in dem einige der zuvor kennengelernten Konzepte Anwendung fanden.
Insgesamt hat die Reise viele Denkanstöße geboten. Wir kamen in Kontakt mit Studenten aus aller Welt und konnten unseren Horizont erweitern. Pamplona ist eine angenehme Stadt und wir genossen Temperaturen, die 20 K höher waren als in Deutschland. Auch fachlich bekamen wir Gelegenheit unser Wissen zu festigen und anzuwenden und konnten einige neue Ideen aus den Vorlesungen mitnehmen. Einzig das Umfeld einer privaten Universität des streitbaren Glaubensbündnisses Opus Day, die mehrmals pro Woche ihre Grünanlagen mit Pestiziden „pflegen“ lässt, passte nicht zu einer Nachhaltigkeitswoche. Als Bauingenieure vermissten wir zudem nachhaltige Bauthemen außerhalb des Energiemanagements.
Wir würden uns im Sinne folgender Jahrgänge freuen, wenn es Prof. Haller gelingt, die Kooperation mit der Universität von Navarra weiterzuführen. Von den Themenschwerpunkten, die uns geboten wurden ausgehend, ist die Teilnahme für Studenten der Vertiefungsrichtung Gebäudeenergiemanagement sehr zu empfehlen. Alle anderen sollten nicht enttäuscht sein, wenn sie das gewonnene Wissen nicht unmittelbar in ihr Studium und späteres Berufsleben einbringen können.

Bericht: Markus Taubert
Rückfragen gerne an: markus.taubert@t-online.de

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