Photovoltaik-Systemfassade: Forschungsergebnisse rasch in die Praxis umgesetzt

Photovoltaic

Claudia Hemmerle

Was vor drei Jahren als Forschungsidee begann, ziert nun den Neubau eines Firmengebäudes im schwäbischen Reutlingen. Unter Federführung des Instituts für Baukonstruktion entstand zwischen 2006 und 2008 der Prototyp eines innovativen Verbundpaneels, das Fassadenbekleidung und stromproduzierendes Photovoltaik- (PV-) Modul zugleich ist. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat das Projekt PV-VH-Fassaden im Rahmen der Forschungsinitiative “Zukunft Bau” gefördert.

Mit Hilfe der Forschungsergebnisse entwickelten die Industriepartner StoVerotec und Würth Solar ein praxistaugliches Bauprodukt für vorgehängte hinterlüftete (VH) Fassaden. Dabei sind PV-Dünnschichtmodule mit einer Trägerplatte aus geschäumtem Recyclingglas vollflächig verklebt und lassen sich mit rückseitigen Tragprofilen in die Unterkonstruktion einhängen. Ihre homogen schwarze, blaue, grüne, rote, gelbe oder weiße Oberfläche ohne sichtbare Befestigung bietet große Anwendungspotenziale in der Architektur, besonders auch für die Sanierung von Altbauten. Individuelle Dämmstoffdicken auf der dahinter liegenden Außenwand gewährleisten den gewünschten Wärmeschutzstandard.

Ein zweites Referenzprojekt befindet sich in Planung, und zwar auf dem Campus der TU Dresden. Der Walther-Hempel-Bau – im Jahr 1962 schon als Experimentalbau und frühes Beispiel der Großtafelbauweise errichtet – soll bei seiner anstehenden Modernisierung mit der PV-VH Solarfassade erneut eine zukunftsweisende Technologie als Gesicht erhalten.

Zur Planung und Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen erschien bereits im April ein kompakter Leitfaden des Instituts für Baukonstruktion.

11 Gedanken zu „Photovoltaik-Systemfassade: Forschungsergebnisse rasch in die Praxis umgesetzt“

  1. Solarmodule im Dämmstoff der Aussenfassade integriert, toll! Ich würde mich über die flächendeckende Verbreitung solcher Baustoffe enorm freuen. Schön, dass ihr darüber berichtet. War mir so nämlich noch nicht bekannt.

  2. Schaumglas ist zwar ein gängiger Dämmstoff, dient hier aber rein als mechanischer Träger. Aufgrund des beim System der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) charakteristischen Luftraums zwischen Dämmung und Bekleidung ist das PV-Verbundpaneel wärmeschutztechnisch weitgehend unwirksam. Die PV-Integration in die Außendämmung, konkret in ein Wärmedämmverbundsystem, haben wir in einem Folgeprojekt vor und berichten im baublog, wenn es so weit ist.

  3. Erstmal Danke für diesen tollen und interessanten Beitrag. Ich bin durch Zufall auf diesen Beitrag gestoßen. Wie sieht es mit dem Folgeprojekt aus? Gibt es da schon Neuigkeiten? Würde mich über die Info sehr freuen

    sonnige Grüße
    Mike

  4. Das ist ja toll, dass die Entwicklung in der Richtung immer weiter geht. Sind diese Photovoltaik Systemfassaden Panels auch förderungsfähig? Wenn ja, könnten wir unsere Informationen zur Photovoltaikanlagen Förderung auf der Seite ja entsprechend aktualisieren.
    VG Norman

  5. Es gibt zwei Folgeprojekte: einmal ein weiteres Bauvorhaben mit der PV-VH-Fassade am Hempel-Bau der TU Dresden. Hier liegen schon die Kabel und die PV-Paneele werden in den nächsten Wochen eingehängt. Als zweites ist unser angekündigtes Forschungsvorhaben zur PV-Integration in ein Wärmedämmverbundsystem gestartet, siehe http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_bauingenieurwesen/bauko/forschung/pv_wdvs. Erste Prototypen werden im Januar 2012 auf der Messe Deubau in Essen ausgestellt.
    Zur Förderung: Unser Institut und die kooperierenden Firmen bekommen einen Teil der Entwicklungskosten gefördert, damit sie anschließend die neuen Systeme konkurrenzfähig auf den Markt bringen können. Für die gebauten PV-Fassaden gelten die selben Fördermöglichkeiten wie für PV-Dachanlagen, also im Wesentlichen die EEG-Vergütung für PV-Anlagen an Gebäuden und die KfW-Kredite.

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